"Kein Unternehmen lebt ewig": Krisen sollten zur Erneuerung genutzt werden
Rolf Aulinger, Geschäftsführer der Schweizer auconia Gruppe, berät Unternehmen international zu Wettbewerb, Prozessoptimierung und Standortpolitik. Er rät Unternehmen dazu, die globale Wirtschaftskrise als Chance für einen Neuanfang zu begreifen. Das Fachmagazin Competitor hat mit dem Experten über die Anlageform der Immobilien sowie über Staatshilfen gesprochen.
COMPETITOR: Mit einem Ihrer neuen Unternehmensbereiche setzen Sie ganz klar auf sichere Anlageformen wie Immobilien in attraktiver Lage. Mit der Gründung der Schwesterunternehmen auconia Bau GmbH und auconia Ingenieure GmbH bedienen Sie sogar die das Angebot übersteigende Nachfrage. Sind Immobilien derzeit eine rentable Anlageform?
ROLF AULINGER: Für den tatsächlichen Wert einer Immobilie sind immer die Lage und die langfristige Perspektive entscheidend. Kurzfristige Hypes der Objekte übertünchen aber häufig den realen Wert, wie vor kurzem der inzwischen vollständig verpuffte Bauboom in den Arabischen Emiraten sehr anschaulich zeigte. Aber ein Heim gehört für alle Menschen zum Grundbedürfnis wie Schlaf oder Nahrung und ist deshalb immer eine erwägenswerte Anlageform, nicht zuletzt aufgrund des inneren Substanzwerts. Wie Laien und Spezialisten in den letzten Monaten schmerzlich erfahren mussten, fehlt genau das einigen anderen Anlageformen völlig: Nicht wenige Anleger gewisser Finanzinstitute würden sich heute für das direkte Investment in Immobilien entscheiden. Langfristig gilt es aber, einen ausgewogenen Anlagemix anzustreben, der letztlich einen Spagat zwischen hoher Rendite und wenig Risiko darstellt. Wenn die Lage stimmig ist und auch die ganzheitliche Betrachtung über die gesamte Lebensdauer überzeugt, ist eine Immobilie deshalb immer eine Bereicherung für das Portfolio.
COMPETITOR: Auf welche Eigenschaften sollten Unternehmer bei der Investition in Anlageformen besonders achten?
AULINGER: Wichtigster Punkt ist hier - wie übrigens bei jeder anderen Anlageform auch - auf die Existenzsicherung zu achten und Risiken bewusst zu streuen. Das Portfolio beinhaltet selbstverständlich immer ein gewisses Maß an Unsicherheit, darf aber für die unternehmerische Existenz nicht zum Killer werden. Auch im Falle einer Krise, wie wir sie derzeit erleben, führen ausgewogene Anlageformen normalerweise nicht zu solch gravierenden Problemen wie sie bei vielen Konzernen sichtbar wurden. Da wurde offenbar nicht nur nicht nachgedacht, sondern Entscheidungen wurden ohne das nötige, fachliche Handwerkszeug getroffen.
COMPETITOR: Wie sehen Sie die staatliche Rettung von solchen Konzernen?
AULINGER: Bürger und Politiker müssen sich klar machen, dass kein Unternehmen ewig lebt - insofern hat es der Staat derzeit im Bezug auf sozialverträgliche Arbeitsmarktgestaltung schon schwer. Trotzdem stehe ich als Berater von kleinen und mittleren Unternehmen den staatlichen Subventionen sehr kritisch gegenüber, denn Krisen sollten als Zeiten der Bereinigung und der Erneuerung genutzt werden. Deshalb sollte sich der Staat nicht von jahrelang subventionierten und geförderten Konzernen ausgerechnet jetzt zur Kasse bitten lassen. Auch eine geänderte Gesetzeslage zur Beschönigung der Bilanzen ist langfristig keine Lösung und verdeckt nur Schwierigkeiten, die uns zukünftig einholen werden. Die unausgegorenen Rettungsversuche dies- und jenseits des Atlantiks stehen in Gefahr, schnell zu Fässern ohne Boden werden - und dies kann sich kein Staat, nicht einmal die USA, auf Dauer leisten. Die Rechnungen bekommen in diesem Fall spätere Generationen präsentiert.
Erschienen auf Competitor Magazin am 14.05.2009
Weitere Informationen unter: http://www.auconia.ch/
Über die auconia GmbH
Die auconia GmbH wurde 2006 von erfahrenen Beratern aus der Treuhand- und Bankenbranche gegründet und hat ihren Sitz im schweizerischen Baar. Mit Fokus auf den Aufbau internationaler Standorte bietet der Spezialist für Finanzmärkte Beratung und Unterstützung zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sowie Unternehmens-Optimierung bei Übernahmen. Zu den Kunden der Gesellschaft zählen neben Spezialisten aus der Lebensmittelbranche auch mittelständische Unternehmen mit internationaler Ausrichtung aus den Branchen Biotech und Energie.
Internet: http://www.auconia.ch/
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